Marine Corps Prepositioning Program-Norway

Hintergrundinformationen zum MCPP-N

 

Unter dem Begriff Marine Corps Prepositioning Program-Norway (MCPP-N) verbirgt sich ein Regierungsabkommen zwischen den USA und Norwegen. Es regelt die dauerhafte Stationierung von militärischen Gerät und Munition auf norwegischem Staatsgebiet und hat bis heute Bestand. Der Vertrag wurde zwischen Januar 1981 und Oktober 1982 von beiden Staaten ausgearbeitet. Zur Zeit des "Kalten Krieges" wäre Norwegen nicht in der Lage gewesen, eine Invasion der Warschauer Pakt Truppen allein abzuwehren. Norwegen bildet mit seinen Grenzen die NATO-Nordflanke und ist daher von besonderer strategischer Bedeutung. Eine militärische Unterstützung im Falle der Landesverteidigung mit Hilfe von NATO-Partnern war also unerlässlich. Eine groß angelegte Verstärkung mit Truppen und Material aus den Vereinigten Staaten hätte zu viel Zeit gekostet. Aus diesem Bedrohungsszenario heraus entstand die Idee vom MCPP-N.

 

Das Marine Corps Prepositioning Program-Norway umfasst heute insgesamt sechs voll klimatisierte unterirdische Anlagen mit einer Gesamtfläche von ca. 88.000 qm. Ein Teil der Bunkeranlagen stammen noch aus dem 2. Weltkrieg und konnten nach Umbauarbeiten für das MCPP verwendet werden. Der letzte Bau ist erst im August 1988 fertig geworden. Nach dem Bau erfolgte die Einlagerung des Materials, so dass die volle operative Einsatzfähigkeit erst 1990 erreicht wurde. Die Bunkeranlagen verteilen sich entlang der Küste von Mittel- bis Nordnorwegen jenseits des Polarkreises. Anlagen befinden sich in der Nähe von Ørland und Frigaard (Værnes Garrison) bei Trondheim sowie in der Nähe von Bodø, Narvik, Evenes und auf der Insel Andøya. In diesen sogenannten "caves" befindet sich Material für militärische Operationen der U.S. Marine Corps Land- und Luftstreitkräfte im arktischen Umfeld. Genau genommen ist hier die Rede von einer Cold Weather Marines Air/Ground Task Force (MAGTF) bzw. einer Norway Air-Landed Marine Expeditionary Brigade (NALMEB) mit etwa 13.200 Marines und rund 150 Luftfahrzeuge. Die Anlagen vom MCPP-N sind so organisiert, dass in einigen Bunkern nur entsprechendes Material zur Versorgung entweder der Land- oder Luftstreitkräfte eingelagert ist. Die Verwaltung und Instandsetzung der Bunker übernimmt norwegisches Armeepersonal, dass vom Norwegian Army/Air Material Command gestellt wird. 

Bjugn Cave Facility/Trondheim - Copyright U.S. Marines (1998)
Bjugn Cave Facility/Trondheim - Copyright U.S. Marines (1998)

Das eingelagerte Material besteht aus rund 1.000 Fahrzeugen, Strom-Generatoren, Pioniermaterial, Verpflegung, medizinisches Material, Schmier- und Kraftstoffe sowie große Mengen an Munition. Etwa 10.500 Tonnen Munition sind allein für Einsätze der Land- und Luftstreitkräfte eingelagert. Je ein komplettes Feldlazarett vom Marine Corps mit 140 Betten und von der U.S. Navy gehören ebenfalls zum MCPP-N. Damit ist eine MAGTF in der Lage für 30 Tage ohne Versorgung von außen in einem Kampfgebiet zu operieren. Bei Bedarf ist es auch möglich, etwa 17.000 Marines für einen begrenzten Zeitraum auszurüsten. Die Masse der Fahrzeuge und Luftfahrzeuge besteht aus:

  • HMMWVs (ca. 565 Stück)
  • Lkws (Oskosh MVTR und Mk.48 LVS, ca. 300 Stück)
  • Stapler (84 Stück) und Pioniergerät (153 Stück)
  • 155 mm Feldhaubitzen M198 (18 Stück)
  • seit August 2014 auch M1A1 (6 Stück) und AMTRACs (Anzahl unbekannt)
  • AH-1W „SuperCobra“ (18 Stück)
  • CH-53 "Sea Stallion" (16 Stück)
  • CH-47 "Sea Knight" (36 Stück)
  • AV-8B Sea Harrier (14 Stück)
  • F/A-18 Hornet (36 Stück)
  • EA-6B Prowler (5 Stück)
  • KC-130 Hercules Tankflugzeuge (6 Stück)

Quelle: Der Bestand wurde aus einem offiziellen Dokument, dem HQ Marine Corps Prepositioning Programs Handbook, Jan. 2009 entnommen.

LAV-25A2 vom  2nd Light Armored Reconnaissance Battalion, 2nd Marine Division während Cold Response 2014, Copyright: Clemens Niesner
LAV-25A2 vom 2nd Light Armored Reconnaissance Battalion, 2nd Marine Division während Cold Response 2014, Copyright: Clemens Niesner

Seit August 2014 befinden sich nun auch schwere Gefechtsfahrzeuge, darunter sechs M1A1 Kampfpanzer und einige AAV7A1 RAM/RS sowie schweres Minenräumgerät in den Depots vom MCPP-N bei Trondheim. Sie gelangten im Rahmen einer umfangreichen Modernisierung nach Norwegen. Üblicherweise ist aber die Masse aller Gefechtsfahrzeuge, wie z. B. rund 300 AAV7A1 RAM/RS, 70 LAVs und 174 M1A1 auf Schiffen verlastet. Diese Schiffe sind unter dem Kommando der Maritime Prepositioning Force (MPF) und verteilen sich auf sechs Military Sealift Commands (MSC). Insgesamt 13 sogenannte Maritime Prepositioning Ships (MPS) befinden sich dauerhaft auf dem Mittelmeer (Maritime Prepositioning Ships-Squadron-1/MPSRON-1), dem indischen Ozean (MPSRON-2) oder im Pazifik (MPSRON-3) im Einsatz.

Foto: Johan Arnt Nesgård / Trønder Avisa
Foto: Johan Arnt Nesgård / Trønder Avisa

Blick in einer der MCPP-N Caves in der Nähe der Stadt Trondheim

 

Hier ist ein Teil der Fahrzeuge in klimatisierten Stollen in den Bergen eingelagert. Eigentlich ein Relikt aus der Zeit des "Kalten Krieges". Der Begriff MCPP-N wird erst seit 2005 offiziell verwendet. Vorher war das Program unter dem Namen NALMEB (Norway Air-Landed Marine Expeditionary Brigade) geführt worden. Im NATO-Verteidigungsfall hätte die 4th Marine Expeditionary Brigade/MEB und die 2nd Marine Aircraft Wing mit Unterstützung der Marine Corps Logistics Base sowie dem U.S. Air Force 7240th Air Base SQN das Material übernommen. Auftrag der 4th MEB war bei der Verteidigung norwegischer Luftwaffenstützpunkte zu unterstützen. Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes kam das eingelagerte Material auch während der Einsätze auf dem Balkan, im Irakkrieg und Afghanistan zum Einsatz. Daneben dienen einige Fahrzeuge auch bei multinationalen Manövern z. B. während Cold Response in Norwegen, im Mittelmeerraum oder im Baltikum. Zum ersten Mal beteiligte sich das Marine Corps mit Gerät der MPF/MPSRON-1 an einer Übung in Norwegen, während dem NATO Marine-Großmanöver "Northern Wedding 1982". Das Material auch vom MCPP-N für "Out of Area-Manövereinsätze" verwendet wird, begann erstmals mit der Übung "Baltic Challenge 1996".  

2nd Supply Battalion, Combat Logistics Regiment 25, 2nd Marine Logistics group, "Cold Response 2012", Foto: Clemens Niesner
2nd Supply Battalion, Combat Logistics Regiment 25, 2nd Marine Logistics group, "Cold Response 2012", Foto: Clemens Niesner

Der Trick mit dem Stick

 

Um die große Zahl von eingelagerten Fahrzeugen und Gerät den notwendigen Wartungsintervallen zuzuführen und mit Ersatzteilen  einwandfrei versorgen zu können, wird ein einfach bedienbares Überwachungssytem verwendet. Alle Fahrzeuge sind daher mit angeklebten Plastiksticks, einem RFID-tag (Radio-frequency identification) (siehe roter Kreis), ausgestattet. Diese RFID Dura tags von dem amerikanischen Hersteller Omni-ID funktionieren wie ein elektromagnetischer Speicher. Alle Daten zum Fahrzeug sind auf diesem Stick gespeichert und können mit einem speziellen Gerät jederzeit abgelesen werden. Dieses System hat sich bisher während militärischer Einsätze unter extremen Witterungsverhältnissen (bis -40°C) in Norwegen bewährt.


Copyright: Clemens Niesner, August 2014

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Kommentare: 1
  • #1

    Richard Jonscher (Donnerstag, 29 Januar 2015 17:00)

    Hallo Clemens!
    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel über das MCPP-N. Mir war gar nicht bewusst, dass dieses Programm aus den Tagen des Kalten Krieges noch immer aktiv ist. Dies lässt einige Rückschlüsse über die politische Lage unserer Tage zu. Anscheinend hat man dem großen Frieden der nach dem Ende des Kalten Krieges ausgebrochen schien doch nicht so ganz getraut. Warum ansonsten wird dort in Norwegen das Material für eine Brigadestarke Kampfgruppe des USMC bereitgehalten. Alleine schon der genannte Bestand an Munition von 10.500 tonnen ist aussagekräftig!

    Insgesamt ist dieses Programm ein kleiner Bruder des POMCUS - Programms der US Streitkräfte während der Zeit des Kalten Krieges in der Bundesrepublik Deutschland, als bereits in Friedenszeiten das komplette Material für weitere 100.000 Mann Verstärkungskräfte aus den USA eingelagert war.

    Danke für diesen Artikel!

    Gruß
    Richard