Manöverbericht "Cold Response 2014"

Copyright: Clemens Niesner
Copyright: Clemens Niesner

Cold Response 2014 - Manöver nördlich des Polarkreises

 

Bereits zum sechsten Mal fand unter dem Decknamen "Cold Response/CR", ein großangelegtes multinationales Wintermanöver ca. 400 km nördlich des Polarkreises in Nord-Norwegen statt. Die erste CR-Übung fand bereits 2006 statt. Norwegen läd dazu andere Nationen ein, die sich mit Soldaten aller drei Teilstreitkräfte (Heer, Marine und Luftwaffe inkl. Spezialkräfte) an dem Wintermanöver beteiligen können. Seit 2010 findet CR im 2-jährigen Rhythmus statt.

Während CR-14 war auch erstmals wieder seit 2005 (FTX: "Battle Griffin") im größeren Umfang eingelagertes Gerät der U.S. Marine Corps beteiligt, welches im Rahmen des Marine Corps Prepositioning Programs-Norway (MCPP-N) in unterirdischen Bunkeranlagen in Norwegen eingelagert ist. Das MCPP-N wurde 1981 im Rahmen eines Vertrages (MoU/memorandum of understanding)zwischen den USA und Norwegen eingerichtet. Insgesamt befinden sich in Norwegen sechs sogenannte MCPP-N Caves. Das Material in diesen Caves reicht aus, um etwa 15.000 Marines (das entspricht in etwa einer Marine Expeditionary Brigade) mit Ausrüstung und Munition sowie sonstigen notwendigen Dingen logistisch zu versorgen.

 

Die Aufmarschphase

Prinzipiell lässt sich sagen, dass ein hoher logistischer Aufwand für CR betrieben wird. Hält man sich vor Augen, dass sich das Übungsareal in Nord-Norwegen befindet und die Erreichbarkeit mit der Bahn lediglich bis Narvik gegeben ist, dann versteht es sich von selbst, dass viel Großgerät mit RoRo-Schiffen über den Seeweg herangeführt werden muss. Meist dient der kleine Seehafen in Sørreisa als Umschlagplatz für sämtliches Großgerät der Übung. Nach Übungsende wird dementsprechend der Hafen auch wieder als Aufnahmepunkt zur Rückführung in die Heimatstandorte genutzt. Intressant ist hierbei, dass das im südnorwegischen Rena beheimatete Telemark Bataljon (TNBN) ebenfalls sein gesamtes Gerät über den Seeweg in den Norden heranführt. Sämtliche Gefechtsfahrzeuge gelangen zunächst von Rena mit der Eisenbahn zum Hafen in Åndalsnes (etwa 150 km süd-westl. von Trondheim). In der Regel reicht ein Spezialschiff aus, um die etwa 350 Fahrzeuge vom TMBN aufzunehmen. Während CR-14 war es beispielsweise die unter der britischen Flagge fahrende M/S Merchant.  

 

(c) 2014, Clemens Niesner
(c) 2014, Clemens Niesner
(c) 2014 Bundeswehr/HFw Gerrit Burow
(c) 2014 Bundeswehr/HFw Gerrit Burow

Als weitere Drehscheibe dient der Flughafen Harstad/Narvik in der Gemeinde Evenes. Dieser recht überschauliche und sonst eher verschlafene Verkehrsflughafen wird während des gesamten Übungszeitraumes von militärischen Transportmaschinen und Hubschraubern rege genutzt. Von der C-160 Transall, über C-130 Hercules bis hin zur gigantischen Antonow 124-100 ist dort alles vertreten. (Im Bild zu sehen: Ankunft einer deutschen Bell-UH 1D) Allerdings wird nicht nur Material und Personal aus Übersee (z. B. aus den USA oder Kanada) auf diesem Gelände abgefertigt, sondern eine Vielzahl der Maschinen dient im Manöverzeitraum als Lufttransportkapazität für die beteiligten Spezialkräfte. Zum Teil liegt die Anzahl der eingesetzten Spezialkräfte und deren Unterstützungsverbände bei fast 10%! Mit anderen Worten, bei CR-14 waren von den insgesamt 16.000 Übungsteilnehmern rund 1.300 Soldaten den Special Operation Forces (SOF) zugehörig. Diese SOF-Kräfte waren in sechs Task Groups aufgeteilt, die wiederum einer übergeordnetenJoint Special Operations Task Force (CJSOTF) unterstellt waren. Zu sehen bekommt man aber diese Kräfte nur mit Glück. Denn meist operieren diese völlig autark und unerkannt in den unzugänglichen Gebieten in den Bergen, Küstenregionen oder auf den vorgelagerten Inseln. 

(c) 2014, forsvaret.no
(c) 2014, forsvaret.no

Das Übungsgebiet

Der Kartenausschnitt zeigt das Hauptübungsgebiet, welches von den Land-, See-, und Luftstreitkräften genutzt wird. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um die beiden nordnorwegischen Provinzen Troms und Nordland, dass auch das gesamte Often- und Lofotengebiet beinhaltet. Die Städte bzw. Ortschaften Narvik im Süden, Harstad im Westen, Bardufoss im Norden und Skjold im Osten sowie Sørreisa im Nordwesten bilden die jeweiligen Grenzen für die Aktivitäten der Landstreitkräfte. Die beiden Nationalstraßen E6 (Nordsüdachse) und E10 (Ostwestachse) durchziehen das Übungsgebiet und werden überwiegen von den mechanisierten Verbänden genutzt. Kleinere Verkehrswege (Kreis- und Landesstraßen) entlang der Küste sind meist die einzigen nutzbaren Straßenverbindungen in dieser Region. Jenseits dieser Wege ist ein Vorankommen nur mit entsprechend geländegängigen Fahrzeugen wie z. B. Bandvagn 206, Skidos oder mit Skier möglich. Aber auch diese kleinen Verkehrswege sind nicht immer befahrbar. Aufgrund der zum Teil massiven Gebirgsketten, die sich links und rechts der Straßen erheben, können je nach Witterung diese Verbindungen wegen hoher Lawinengefahr entweder gesperrt oder gar unpassierbar sein. Die eingebundenen Seestreitkräfte operieren entweder im Europäischen Nordmeer oder an den Küsten. Bei amphibischen Landungsoperationen dringen einige Schiffe auch bis weit in die Fjorde ein, um die Anladung von See her zu schützen. Die Luftstreitkräfte haben ein weit größeres Operationsgebiet zur Verfügung, dass teilweise bis zu 200 km ins schwedische Lappland reicht.   

Photo: Clemens Niesner, CR-2009
Photo: Clemens Niesner, CR-2009

Verkehrssicherheit

Große gelbe Warnschilder sind im gesamten Übungsgebiet entlang der wichtigsten Verkehrswege zu finden. Sie warnen Auto- und Lkw-Fahrer vor plötzlich auftretenden Behinderungen im Straßenverkehr durch Militärfahrzeuge. Zusätzlich stellt die norwegische Militärpolizei in Zusammenarbeit mit der zivilen Polizei, temporäre Warnschilder auf. Diese Warntafeln mit Blinklampen werden auf einem Anhänger nur an Stellen aufgestellt, wo es kurzfristig zu größeren Gefechtshandlungen mit Kampf- und Schützenpanzern kommen kann. Sobald das Gefecht beendet ist und die Truppe weiter zieht, wird das Schild abgebaut und einige Kilometer weiter wieder aufgestellt. 

Photo by Anette Ask, Norwegian Armed Forces
Photo by Anette Ask, Norwegian Armed Forces

Obwohl aus Sicherheitsgründen weitgehend auf Nachtgefechte  verzichtet wird, gibt es an bestimmten Stellen im Manövergebiet taktische Operationen, die bis weit in die Nacht hineingehen. Ein großer Teil dieser Kampfhandlungen bei Dunkelheit finden daher auf den beiden Truppenübungsplätzen bei Setermoen und bei Målselv statt. In den Abendstunden kann es deswegen an den Zufahrtsstraßen zu den Plätzen zu größeren Truppenbewegungen kommen. Alle anderen Aktionen in der Dunkelheit außerhalb der Übungsareale, finden überwiegend jenseits der großen Verkehrswege statt. Meist handelt es sich hierbei um leichte Aufklärungskräfte, die abseits der öffentlichen Straßen in den Tiefen der Wälder oder entlang der unzugänglichen Berghänge sowie an den Küstenlinien operieren. An strategisch wichtigen Stellen sichern schwere Gefechtsfahrzeuge (wie dieser norwegische Leopard 2A4NO vom Telemark bataljon im Bild) die Verfügungsräume oder taktische Operationen der eigenen Partei ab. Es kommt nicht selten vor, dass Panzer die gesamte Nacht in diesen Stellungen verweilen. 



 

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